Das doppelte Lottchen in Gelb

Fußballkreis Münster testet neues Projekt: Den Tandem-Schiedsrichter

Ein ungewohntes Bild bot sich am Sonntag den Zuschauern beim Testspiel von Preußen Münsters U14. Gleich zwei Schiedsrichter, Kreisschiedsrichterobmann Philipp Hagemann und Jonas Gunsthövel, leiteten die Partie gegen den TuS Hordel. Der Fußballkreis Münster testete zum ersten Mal das Tandem-Schiedsrichter Projekt, bei dem Jung-Schiedsrichter in zwei Spielen von erfahrenen Kollegen begleitet werden.
Im Prinzip ist die Münsteraner Variante des Tandem-Schiedsrichters ziemlich simpel: Das erste Spiel verbringt der taufrische Jung-Schiedsrichter im Windschatten des routinierten Arbeitskameraden, um Laufwege und Arbeitsweise kennenzulernen. Im zweiten Spiel pfeift der Rookie selbst und wird lediglich vom Seitenrand gecoacht. Es ist ein bisschen wie in der Fahrschule: Zuerst bekommt der Schüler theoretischen Unterricht, anschließend geht es zusammen mit dem Fahrlehrer ins Auto.
Für beide Schiedsrichter war es ungewohnt, aber äußerst lehrreich. Schiri-Obmann Philipp Hagemann berichtet: „Es war interessant und hat Spaß gemacht. Wir haben viel geredet, auch über taktische Sachen und einzelne Szenen.“
15 Teilnehmer hatte der Anwärterlehrgang im Oktober und November, jeder Absolvent wird Tandem-Spiele bekommen. So machte Neuling Jonas Gunsthövel am Sonntag seine erste Gehversuche als offizieller Spielleiter. Von Hagemann hat er sich viel abgucken können: „Ich habe die Laufwege, Gespräche mit den Spielern und Bewertung kennengelernt. Das wird für spätere Spiele sehr wichtig.“
Einen weiteren Vorteil des neuen Ansatzes sieht der Fußballkreis darin, dass der Schüler das ganze Prozedere eines Spiels von der Pike auf mitbekommt. Wichtige Details wie die Spielerpasskontrolle werden zwar im Kurs gelehrt, doch oftmals liegen zwischen dem Unterricht und dem ersten Spiel mehrere Monate Pause. Durch die Hilfe des Tandem-Kollegen kann sich eine Routine entwickeln.
Zusätzlich entsteht ein guter Draht untereinander und Berührungsängste schwinden. Der Jung-Schiedsrichter hat nun einen Ansprechpartner, mit dem er schon zusammen gepfiffen hat. Das gibt Sicherheit. Der Kreis braucht immer neue Spielleiter. Durch das Konzept wird ein altbekannter Teufelskreis durchbrochen: Ein Jung-Schiedsrichter pfeift sein erstes Spiel, ist überfordert und trifft aufgrund von Verunsicherung Fehlentscheidungen.
Dann muss er sich Sprüche von Spielern und Zuschauern anhören, was natürlich frustrierend ist. Aufgrund dieser Frustration hören viele Schiedsrichter mit dem Pfeifen auf, bevor sie überhaupt richtig angefangen haben. Erfahrungswerte  anderer Fußballkreise zeigen, dass das Modell durchaus erfolgreich und zukunftsfähig ist,   die westfälischen Kreise Siegen, Dortmund und Gelsenkirchen vermelden Positives. Als Vorreiter gilt der bayerische Verband, wenn auch mit einer etwas anderen Variante als in Münster. In Bayern pfeift der Anfänger die zweite Halbzeit, nachdem er den ersten Durchgang im Windschatten des erfahrenen Referees erlebt hat
Preußen Münsters  U14 ließ bei kaltem Wetter übrigens nichts anbrennen und gewann mit 5:1, während Hagemann und Gunsthövel während der 70 Minuten auffällig häufig kommunizierten. Bis auf das doppelte Schiedsrichter-Lottchen gab es auf dem Platz keine besonderen Vorkommnisse.
Justus Heinisch / www.heimspiel-online.de
Bildzeile: Anschauungsunterricht aus nächster Nähe: Jonas Gunsthövel (r.) schaut KSO Philipp Hagemann über die Schulter. Foto: Johann-Krone
01.02.2017 von: Norbert Krevert